Fallbeispiele
Frühkindlicher Autismus
Mia- Charlotte
Mia- Charlotte ist im Dezember 2003 geboren.
Die Diagnose lautet Verdacht auf tiefgreifende Entwicklungsstörung im Sinne eines frühkindlichen Autismus. Dabei besteht eine deutliche Beeinträchtigung der mentalen Entwicklung im Sinne einer geistigen Behinderung.
Mia ist ein freundliches Mädchen, sie kann Blickkontakt halten, fokussiert jedoch nur kurzzeitig und ist schnell ablenkbar. Mia versteht einzelne Aufgabenstellungen.Sie läuft frei, noch etwas tapsig und breitbasig.
Mia kommuniziert überwiegend nonverbal, sie lautiert nur selten. Die Prosodie ist monoton.
Mia kann Körperkontakt zulassen, dies ist auf den ersten Blick untypisch für die Diagnose Autismus.
Mia erhält seit Dezember 2007 in der Praxis logopädische Therapie.
Mithilfe des GUK- Programms (Gebärdenunterstützte Kommunikation) wurde versucht, Mia Gebärden beizubringen. Diese Gebärden sind speziell für behinderte Kinder entwickelt worden.
Viele Frühkindliche Autisten haben nicht nur schwere Defizite im sprachlichen Bereich, sondern verweigern oft generell die Kommunikation mit anderen.
Für beide Probleme wurde das Therapieverfahren PECS entwickelt: Picture Exchange Communication System, zu deutsch:
"Bildaustausch-Kommunikationssystem".
In der ersten Phase unterstützt die Therapeutin bevorzugte Spiele eines Kindes nur dann, wenn das Kind durch Übergabe einer Karte sich das wünscht.
Schon dieser erste Schritt muss oft und sorgfältig trainiert werden.
Aber er ist enorm wichtig, denn er vermittelt dem Kind: Kommunikation zahlt sich aus!
In den nächsten Schritten bringt die Therapeutin dem Kind bei, sich möglichst viele unterschiedliche Aktionen zu wünschen. Dafür gibt es Bildkarten, die diese Aktion konkret abbilden.
Wenn das Kind die Karte übergibt, übt es immer auch ein Wort, das dazu
passt: zum Beispiel das Wort "schaukeln" bei der Übergabe einer Karte, die eine Schaukel abbildet.
Tatsächlich sind nach einigem Training viele frühkindliche Autisten in der Lage, ein Buch mit bis zum 30 Wunschkarten erfolgreich einzusetzen.
Ziel der Therapie ist es,dass das Kind sich nicht mehr per Übergabe einer Karte, sondern allein durch Nennung des richtigen Wortes ein Spiel wünscht - also anfängt, mit anderen Menschen zu sprechen.
Mia- Charlotte hat bisher noch nicht angefangen zu sprechen.
Logopädische Therapie wird aber weiter sinnvoll sein, da Mia lernt, sich nonverbal auszudrücken und eventuell irgendwann anfängt zu verbalisieren.
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